“PÄDAGOGIK DES SEINS”


”PÄDAGOGIK DES SEINS”
Förderung beruflicher Kompetenz durch Förderung personaler Präsenz

 
Das erste Wirkende ist das Sein des Erziehers; das zweite, was er tut; und das dritte erst, was er redet.
— Romano Guardini



Die Vorstellung von perfekten Eltern ist absurd. Die besten Eltern, die ein Kind haben kann, sind diejenigen, die Verantwortung für ihre Fehler übernehmen, wenn sie ihnen bewusst werden. (Dies gilt auch für professionelle Pädagog:innen).
Jesper Juul

Hubert Teml

”PÄDAGOGIK DES SEINS”


Ein ganzheitliches Aus- und Fortbildungskonzept für PädagogInnen

Kurzinformation zum Konzept einer zu entwickelnden “Pädagogik des Seins”:

Die folgenden Aussagen beziehen sich auf die nebenstehende Abbildung eines Aus- und Fortbildungskonzepts für PädagogInnen in verschiedensten Berufsfeldern (z.B. Elementarpädagogik, Sozialpädagogik, Schulpädagogik etc.).
Wegen seiner ganzheitlichen Lernangebote spreche ich auch von einer „Pädagogik des Seins“ , in der vor allem die vertikale “Tiefendimension” menschlicher Existenz mit dem Begriff der “Präsenz” von Pädagog:innen angesprochen wird.

Das Konzept zielt auf die persönliche Entwicklung von PädagogInnen, indem es den „personzentrierten Ansatz“ von Carl R. Rogers mit kontemplativen Konzepten (z.B. des Franziskaners Richard Rohr und des Psychologen und spirituellen Lehrers Christian Meyer) Berlin) zu verbinden versucht.

Die in der nebenstehenden Grafik angeführte horizontale Dimension zielt dabei auf stimmiges Handeln von Pädagog:innen, das nach Friedemann Schulz von Thun in der Balance von Person und Rolle gründet. Pädagog:innen sollen sich in beruflichen Situationen gleichermaßen wesensgemäß wie situationsgerecht verhalten. Die Förderung pädagogischer Kompetenz wird dabei durch die Förderung von personaler Kongruenz unterstützt.

Die zentrale Aussage dieses Konzepts lautet daher:
Wirksam wird pädagogisches TUN erst, wenn es mit dem SEIN der PädagogInnen verbunden ist.

Darauf zielt der bekannte Satz von Romano Guardini:

„Das erste Wirkende ist das Sein des Erziehers; das zweite, was er tut; und das dritte erst, was er redet.“

Die zentrale Aussage dieses Konzepts lautet daher:
Wirksam wird pädagogisches TUN erst, wenn es mit dem SEIN der PädagogInnen verbunden ist.

Dahwer weise ich in der nebenstehenden Grafik auf die – oft vergessene – vertikale Dimension hin, die in die innere Tiefe unseres “Seins” führt, undauf personale Präsenz von PädagogInnen zielt.

Wenn Pädagog:innen zunehmend lernen, „ganz da“ und gegenwärtig zu sein, und aus einer kontemplativen Haltung ohne eingefahrene “Muster es zu einem Handeln “aus dem Augenblick” kommt, erwächst eine Verbindung zu ihrem SEIN , was ihrem TUN eine förderliche Wirkung in der alltäglichen Praxis verleiht. Carl Rogers fasst dies unter dem Begriff der “Präsenz” von Personen zusammen, den er erst in den späten 1970er-Jahren eingeführt hat (siehe dazu auch den vorhergehenden Blogbeitrag über die “vertikale Dimension” im Personzentrierten Ansatz .

In der Ausbildung von PädagogInnen erfordert dies nicht nur eine kognitive Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlichen, fachwissenschaftlichen oder didaktisch-methodischen Inhalten, sondern auch personorientierte Lernerfahrungen.
Dazu zähle ich in der abgebildeten Grafik ich vor allem personzentrierte Encountergruppen im Sinne von Carl Rogers, die Selbst- und Beziehungserfahrung konkret unterstützen. Zusätzlich sollen kontemplative Bewusstheitsübungen der Vertiefung von Seinserfahrungen durch Förderung des inneren “Loslassens“ und „Geschehenlassens“ dienen. Carl Rogers verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine innere Transformation, die unser alltägliches Bewusstsein überschreitet und in diesem kontemplativen Zustand neue Wirklichkeitsräume eröffnet Dazu die folgende herausfordernde Passage von Carl Rogers über ein neues Forschungsparadigma in der Psychologie

“Vielleicht gibt es in der kommenden Generation von Psychologen einige, die es unbelastet von universitären Verboten und Widerständen wagen, eine Wirklichkeit zu erkennen und zu erforschen, die sich unseren fünf Sinnen entzieht; eine Wirklichkeit, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vermischen, in der der Raum keine Schranke mehr darstellt und die Zeit nicht mehr existiert; eine Wirklichkeit, die nur dann wahrgenommen und erkannt werden kann, wenn wir passiv empfangen und nicht so sehr aktiv nach Wissen streben. Dies ist eine der spannendsten Herausforderungen, die sich der Psychologie stellt.


Weitere Aspekte zu einer “Pädagogik des Seins” werden im Folgenden noch konkretisiert. Ein ausführlicher Artikel ist in Vorbereitung.

⭐ 1. Was bedeutet „Sein des Erziehers“?

Eine “Pädagogik des Seins” geht davon ausgeht, dass das Wichtigste in der Erziehung nicht Methoden, Regeln oder pädagogische Tricks sind, sondern der innere Zustand der Erwachsenen.

Kinder lernen am stärksten durch das, was sie spüren, nicht durch das, was wir sagen. Sie reagieren auf unsere Stimmung, unsere Präsenz, unsere Ruhe – oder unsere Unruhe oder Unsicherheit.

Dies führt zu einem Paradigmenwechsel in der Pädagogik:

Erziehung beginnt nicht beim Kind,
sondern bei der persönlichen Entwicklung der Pädagog:innen.

⭐ 2. Was bedeutet „Sein“?

„Sein“ meint in diesem Kontext vor allem innere Haltungen von Pädagog:innen:

  • bei sich selbst sein…

  • innerlich ruhig und klar sein…

  • authentisch, echt als Person präsent sein…

  • ·nicht automatisch reagieren, sondern bewusst handeln…

  • ein Mensch sein, der innerlich Halt hat - auch in und aus einer transzendenten Tiefendimension des eigenen Daseins… … …

  • Es geht nicht darum, alle genannten Eigenschaften in jeder Situation zu erfüllen.
    Wichtiger ist die darunter liegende Wahrnehmung;

  • Sich der Qualität des eigenen “DA-SEINS” als Geschöpf bewusst zu sein.
    (Siehe dazu das Kapitel “DASEINSERFÜLLUNG” Bei Friedemann Schulz von Thun (2021). Erfülltes Leben. München:Hanser, Seit 77ff) .

⭐ 3. Warum ist das wichtig?

Viele pädagogische Schwierigkeiten entstehen nicht durch „schwierige Kinder“, sondern durch Stress, Druck, Überforderung und alte Muster bei uns Erwachsenen

  • Wenn wir als Pädagog:innen:

  • angespannt sind…

  • überreagieren…

  • uns angegriffen fühlen…

  • „alles kontrollieren wollen…

  • oder uns innerlich zurückziehen…

… dann merken Kinder das sofort.

Sie reagieren darauf – oft mit Widerstand oder Unruhe.

Unsere innere Haltung wirkt stärker als jede Methode.

⭐ 4. Was ist das Ziel einer “Pädagogik des Seins”?

Pädagogische “Aus-Bildung” in einem sozialen Berufsfeld verstehe ich als “personale “Entwicklung” von Erwachsenen, um sie zu befähigen, in herausfordernden Situationen… …

  • bewusster zu handeln statt automatisch zu reagieren…

  • präsenter zu sein statt innerlich abwesend oder von Stress überflutet zu sein…

  • innerlich stabil zu bleiben – auch wenn die äußere Situationen schwierig ist…

  • achtsam mit sich selbst umzugehen

  • Kinder und Jugendliche nicht zu formen, sondern zu begleiten

Eine “Pädagogik des Seins” hilft Kindern und Jugendlichen,
sich gesehen und akzeptiert zu fühlen und dadurch innere Sicherheit zu gewinnen.
Nur wer sich sicher fühlt, kann bedeutungsvoll lernen.

⭐ 5. Wie wird das im Alltag umgesetzt?

Eine “Pädagogik des Seins” setzt bei Anregungen zur Selbsterfahrung und Selbstentwicklung in der Ausbildung an (etwa durch “Encountergruppen” nach Carl Rogers). Diese konkreten Maßnahmen sollten in curricular festgelegten Veranstaltungen zur Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung durch entsprechend qualifizierte Personen gefördert werden.
Ziel ist, in beruflich herausfordernden Situationen folgende Kompetenzen von Selbstreflexion zu realisieren… … …

✔ Selbstwahrnehmung:

Wie geht es mir aktuell? Was spüre ich? Bin ich im Stress oder präsent?

✔ Biografische Selbstreflexion:

Wie bin ich geworden? Was “triggert” mich?” Bin ich mir meiner Reaktionsmuster bewusst oder re-agiere ich dem „Autopiloten“ heraus?

✔ Hilfen zur Selbstregulation:

Anwenden von einfachen Körper- und Atemübungen, um ruhig und klar zu werden.

✔ Innere Haltung:

„Ich kann stehen bleiben, auch wenn es stürmt.“

✔ Präsenz statt Perfektion:

Kinder brauchen keine perfekten Erwachsenen – sie brauchen authentische Erwachsene

✔ Beziehung vor Methode:

Ein ruhiges, sicheres Gegenüber wirkt stärker als jedes pädagogische Konzept.

⭐6. Was ändert sich durch eine Pädagogik des Seins?

Wenn Erwachsene in ihrem Sein verankert sind, passiert üblicherweise Folgendes:

  • Konflikte werden weniger…

  • Kinder beruhigen sich schneller…

  • Beziehungen werden stabiler…

  • Lernen fällt leichter…

  • Erwachsene fühlen sich sicherer und weniger gestresst…

  • schwierige Situationen verlieren ihren Schrecken..

Eine „Pädagogik des Seins“ beginnt mit Selbstentwicklung von Pädagog:innen,
und fördert dadurch eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen.

Als lebendiges und anschauliches Beispiel einer solchen “Pädagogik des Seins” empfehle ich den Film “Herr Bachmann und seine Klasse” (als Download auf verschiedenen Plattformen erhältlich).

Text redigiert von Hubert Teml am 05.03.2026,
wobei ich zur Unterstützung bei der sprachlichen Formulierung, Zusammenfassung und Strukturierung der Textabschnitte ChatGPT (OpenAI, Version GPT-5.0) eingesetzt und alle inhaltlichen Aussagen, Interpretationen und Schlussfolgerungen eigenständig überprüft habe und auch verantworte. 

Es ist nicht genug, neue Methoden zu lernen und anzuwenden... Vielmehr handelt es sich darum... aus einer anderen Einstellung, einer anderen Gesinnung einen anderen Weg nach anderen Zielen zu gehen.
— Rebeca Wild
Musst ins Breite dich entfalten,
Soll sich dir die Welt gestalten;
In die Tiefe musst du steigen,
Soll sich dir das Wesen zeigen.
— Friedrich Schiller
Das entscheidende Element in der gegenwärtigen
Situation des westlichen Menschen ist der Verlust
der Dimension der Tiefe.
— Paul Tillich
Der Personzentrierte Ansatz ist dann also vor allem eine Seinsweise [way of being], die ihren Ausdruck in Einstellungen und Verhaltensweisen findet, die ein wachstumsförderndes Klima schaffen. Es ist mehr eine grundlegende Philosophie als einfach eine Technik oder Methode.
— Carl Rogers

“Ich meine, wir haben das Recht zu verlangen, dass der Lehrer oder Erzieher seine Konflikte kennen und beherrschen gelernt hat,
ehe er die pädagogische Arbeit beginnt. Sonst dienen ihm die Zöglinge nur als ein mehr oder weniger günstiges Material, um seine eigenen unbewussten und ungelösten Schwierigkeiten
an ihnen abzureagieren.
— Anna Freud, 1987, Seite. 135
Hubert Teml