Beratung, Supervision und Coaching
Die meisten Menschen kommen
im Laufe ihres Lebens in Situationen, die sie mit
ihren gewohnten Lösungsstrategien nicht bewältigen können. Daraus
erwachsen Fragen und Anliegen zur Klärung der Situation, z.B.:
- Wie kann ich einen Beruf finden, der zu mir und meinen Fähigkeiten
passt?
- Wie kann ich die Situation in meiner Partnerschaft besser gestalten?
- Wie kann ich mich vor "Mobbing"
im Betrieb schützen?
- Wie kann ich öfter ein klares "Nein" vermitteln?
- Wie kann ich ...?
In diesen und vielen anderen Fällen kann es hilfreich sein, kompetente BeraterInnen aufzusuchen, in Supervision zu gehen oder sich "coachen" zu lassen. Aber: Was versteht man eigentlich unter diesen Begriffen? Hier erste kurze Antworten:
Was
ist Beratung?
Beratung
verstehen wir als einen Oberbegriff dafür, jemandem bei der Klärung
eines persönlich bedeutsamen Anliegens zu helfen. Diese Hilfe erfolgte
dabei nicht durch "Ratschläge" von außen, da diese nie
die spezifische Situation der Ratsuchenden treffen können. Wir vertreten
einen personzentrierten Begriff von Beratung, bei dem es nicht in erster Linie
um das "Problem" geht, sondern um die jeweilige Person in ihrer
ganz spezfischen Situation. Personzentrierte BeraterInnen versuchen, wertschätzend
und einfühlsam zuzuhören und den "Kern" des Anliegens herauszuhören.
Wenn BeraterInnen echt an der ratsuchenden Person interessiert sind und ihr
gleichsam "aus dem Herzen" sprechen, aktiviert dies ihre Fähigkeit,
eigene Lösungen zu finden. Beratung
ist danach "Hilfe zur Selbsthilfe".
Einen sehr schönen Zugang diesem Thema bietet Michael Ende in seinem Buch "Momo". Hier wird deutlich, dass "Beratung" weniger von "Beratungstechniken" abhängt, sondern in erster Linie von der Qualität der Beziehung,die von einer Haltung des wertschätzenden, echten und einfühlsamen Zuhörens geprägt ist:
| "Was die kleine
Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören. Das ist doch nichts
Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch
jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf - und er ging hin und erzählte das alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören." Aus: Michael Ende: Momo. Stuttgart: Thienemann-Verlag 1973, 142. |
Was
ist Supervision?
Supervision
wird in der Regel als Beratung von bedeutsamen Fragen im Zusammenhang mit dem
Beruf verstanden.Supervision hilft das berufliche Handeln zu reflektieren und
es sachlich optimaler sowie persönlich zufriedenstellender zu gestalten.
Supervision wird häufig im Rahmen einer Gruppe (oder auch eines Arbeitsteams)
angeboten, wobei durch die Interaktion der Mitglieder wichtige Erfahrungen und
Erkenntnisse für die persönlich-berufliche Entwicklung gewonnen werden.
Supervision kann allerdings auch mit einer Person als Einzelsupervision durchgeführt
werden.
Was
ist Coaching?
Coaching
wurde zunächst als Beratungsform für Führungskräfte und
als Instrument der Personalentwicklung in der Wirtschaft bezeichnet. In der
letzten Zeit hat der Begriff aber eine inflationäre und schillernde Erweiterung
erhalten, etwa "Gesundheits-Coach", "Lern-Coach", "Mental-Coach"
u.v.a.m.
Nach unserem personzentrierten Verständnis ist Coaching eine entwicklungsorientierte
Begleitung zur Bearbeitung persönlich-beruflicher Anliegen. Coaching ist
allerdings meist zeitlich klar begrenzt und auf ein bestimmtes Ziel hin orientiert.
Coaching ist - wie jede Beratungsform - wesentlich vom Vertrauen in das kreative
Entwicklungspotential von Personen getragen und drückt sich in einer einfühlsamen,
wertschätzenden und echten Beziehung aus. Einzelne Interventionen des Coach
- etwa Fragen oder der Zielklärungen - werden hier nicht als "Techniken"
eingesetzt, sondern aus der Beziehung heraus kreativ gestaltet.
Weitere Hinweise finden Sie im Artikel "Praxisberatung" von Hubert Teml. Hier wird zwar in erster Linie die Beratung von LehrerstudentInnen bezüglich ihrer schulpraktischen Erfahrungen angesprochen, die Aussagen können jedoch auf Beratung, Supervision und Coaching in anderen Kontexten übertragen werden.